Die Geschichte der QR-Code-Entwicklung

Der QR-Code wurde erstmals 1992 entwickelt, als Masahiro Hara, ein Entwickler von Barcode-Scannern, von einem Kunden gebeten wurde, ein schnelleres Scangerät zu entwerfen. Während seiner Recherchen identifizierte Masahiro Hara mehrere Schwächen herkömmlicher Barcodes: Sie konnten maximal 20 Zeichen speichern, boten nur begrenzte Informationskapazität und ließen sich nur in einer festen Richtung scannen.

Um diese Probleme zu lösen, entwickelte Masahiro Hara ein neues Barcode-System, das mehr Daten speichern und das Scannen aus verschiedenen Winkeln ermöglichen sollte. 1994 wurde der QR-Code erstmals von Denso Wave – einer auf Technologie spezialisierten Tochtergesellschaft von Toyota in Japan – eingesetzt, um den Automobilherstellungsprozess zu verfolgen.

 

Im Jahr 2011 erlangten QR-Codes breite Bekanntheit, als Macy’s (der New Yorker Modegigant) und Best Buy (der amerikanische Elektronikhändler) sie in ihren Filialen einführten. Zu dieser Zeit stand die Verbreitung von QR-Codes jedoch vor erheblichen Herausforderungen: langsame Internetverbindungen, Smartphones waren noch nicht allgegenwärtig, Nutzer mussten separate Scan-Apps herunterladen und die Zielseiten waren nicht für mobile Endgeräte optimiert.

Laut Forbes Magazine waren QR-Codes 2012 „eine Technologie im Abklingen“, da sowohl Unternehmen als auch Verbraucher sie falsch einsetzten. Doch der sprunghafte Anstieg der QR-Code-Nutzung seit Beginn der COVID-19-Pandemie hat das Gegenteil bewiesen. Inzwischen wurde dieser 2D-Barcode in den USA auf über 14 Millionen Mobiltelefonen gescannt. Eine Studie von Statista in den USA und Großbritannien ergab, dass 85 % der Befragten bereits einen QR-Code genutzt hatten und 30 % innerhalb der letzten Woche einen gescannt hatten. Wie das US-Magazin WIRED treffend formulierte: „QR-Codes waren ihrer Zeit voraus.“

 

Die Nutzung von QR-Codes stieg während der COVID-19-Pandemie sprunghaft an

 

Fortschritte in der Informationstechnologie und bei mobilen Netzwerken haben die Rolle von QR-Codes grundlegend verändert. Weltweit sind inzwischen mehr als 5,2 Milliarden Menschen online. Im Juli 2021 erreichte die durchschnittliche mobile Download-Geschwindigkeit 55,07 Mbit/s – ein Anstieg von 98,9 % gegenüber dem Vorjahr. Zudem haben sowohl Apple (ab iOS 11) als auch Android das Scannen von QR-Codes direkt über die Kamera-App ermöglicht. Diese Entwicklungen haben dazu beigetragen, dass QR-Codes ihrem Namen „Quick Response“ endlich gerecht werden und heute ein unverzichtbarer Bestandteil des Alltags sind.

 

QR-CODES & MOBILE MARKETING

 

Dank ihrer vielfältigen Vorteile werden QR-Codes heute in nahezu allen Lebensbereichen eingesetzt – insbesondere in der Kommunikation und im Marketing.

Mobile Marketing bezeichnet die Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen über mobile Endgeräte. Ähnlich wie beim klassischen Marketing verfolgt Mobile Marketing das Ziel, die Markenbekanntheit zu steigern, die Kundenzufriedenheit zu sichern, neue Kunden zu gewinnen, die Markenidentität zu stärken und Marktforschung zu betreiben.

Je nachdem, von wem die Marketingaktivität ausgeht (vom Unternehmen oder vom Kunden), unterscheidet man im Mobile Marketing zwei grundlegende Strategien: Push und Pull. Push-Strategien senden Inhalte direkt an die Kunden, etwa per SMS oder E-Mail. Pull-Strategien hingegen werden vom Nutzer selbst initiiert, der gezielt nach Produktinformationen sucht und dann über sein Mobilgerät mit dem Unternehmen interagiert.

 

Je nach Initiator unterscheidet man im Mobile Marketing zwischen Push- und Pull-Strategien

In diesem Zusammenhang sind QR-Codes eine Technologie, die im Rahmen von Pull-Strategien eingesetzt wird. Nutzer scannen den Code aktiv und erhalten so Marketinginformationen einer Marke. Im Mobile Marketing unterscheidet man zwei Arten von QR-Codes, je nach Platzierung und Informationsgehalt.

 

DER EINFLUSS VON QR-CODES AUF DEN MARKETING-MIX IM MOBILE MARKETING

 

Müge Klein von der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Türkisch-Deutschen Universität führte eine Studie mit dem Titel „The Contribution of QR Codes to the Marketing Mix“ durch. Die Forschung zeigt, dass QR-Codes in allen Phasen eingesetzt werden können und sowohl die Elemente der 4Ps (Product, Price, Promotion, Place) als auch der 4Cs (Consumer, Cost, Communication, Convenience) positiv beeinflussen.

Als Beispiel für den Einsatz von QR-Codes im Mobile Marketing nennt die Autorin den virtuellen Spielzeugladen von Walmart in den USA. Die Marke gestaltete eine „virtuelle“ Produktpräsentationsfläche, an der jedem Artikel ein QR-Code zugeordnet war. Durch einfaches Scannen des Codes konnten Kunden Produktinformationen im Online-Shop abrufen, ohne ein Geschäft aufsuchen zu müssen.

 

Virtuelle Spielzeugpräsentation von Walmart mit QR-Codes

 

1. Produkt – Konsument

Im Bereich Produkt – Konsument helfen QR-Codes Marketern dabei, Kundenfeedback zu sammeln, um Produkte gezielt weiterzuentwickeln. Dies kann auch als „Belohnung“ umgesetzt werden, etwa indem Kunden, die an Umfragen teilnehmen, mit Aktionen oder Gutscheinen belohnt werden.

2. Preis – Kosten

Beim Thema Preis und Kosten werden QR-Codes ähnlich eingesetzt wie andere Mobile-Marketing-Technologien. Durch das Scannen eines Codes können Verbraucher exklusive oder personalisierte Rabattcoupons erhalten – vergleichbar mit Angeboten, die per SMS oder E-Mail verschickt werden.

Im Jahr 2020 startete Burger King eine besondere Aktion, während die Menschen aufgrund von COVID-19 „zu Hause festsaßen“. Während eines 15-sekündigen TV-Spots bewegte sich ein QR-Code mit dem Aktionsangebot über den Bildschirm. Die ersten 10.000 Nutzer, die den Code scannten, erhielten einen kostenlosen Whopper bei Bestellung über die Burger-King-App.

 

Burger King setzt QR-Codes in TV-Werbung ein

QR-Codes bieten Kunden nicht nur durch einfaches Scannen sofortige Vorteile, sondern bringen auch für Marken erhebliche wirtschaftliche Vorteile. So muss Walmart beispielsweise keine Kosten für die Instandhaltung oder Reparatur eines physischen Geschäfts aufbringen. Die einzigen Ausgaben sind die Miete für Werbeflächen und die Pflege des Online-Shops – Kosten, die deutlich unter denen eines stationären Geschäfts liegen.

3. Promotion – Kommunikation

Im Buch „Definition and Redefinition“ von Louis J Haugh wird Sales Promotion als „eine direkte Maßnahme definiert, die einem Produkt einen Mehrwert verleiht oder das Verkaufsteam, die Vertriebspartner oder Endkunden zu einer Entscheidung anregt. Ziel der Verkaufsförderung ist es, einen unmittelbaren Auftrag zu generieren.“

Der Einsatz von QR-Code-Technologie in Promotion und Kommunikation kann die Neugier der Verbraucher wecken. Dieser psychologische Effekt motiviert Nutzer dazu, den Code zu scannen – selbst wenn sie ursprünglich kein Interesse am Produkt hatten. Die Landingpage kann dann Zugang zu vielfältigen Inhalten bieten, etwa zu Preisen, Werbekampagnen oder Produktinformationen.

 

QR-Code-Anwendungen in Promotion und Kommunikation wecken die Neugier der Verbraucher

Im Fall des virtuellen Walmart-Stores gab es zwei Hauptgründe, warum Kunden die Codes scannten:

  1. Neugier auf den Code
  2. Interesse am Produkt

Durch das Scannen erhielten die Kunden sowohl Werbeinhalte als auch Produktinformationen. Die Interaktion zwischen Unternehmen und Konsumenten findet online und äußerst interaktiv statt – die Kunden können den Kontakt jederzeit aufnehmen oder beenden.

Da QR-Codes Nutzer zu unterschiedlichsten Inhalten führen können – Text, Bilder, Videos, Audio oder Kombinationen daraus – lassen sich auch Personen ansprechen, die ursprünglich keine Kaufabsicht hatten. So werden potenzielle Neukunden gewonnen. Zudem erhöht die Tatsache, dass die Marketingaktivität vom Nutzer selbst ausgeht, die Wahrscheinlichkeit einer aktiven Auseinandersetzung mit den Markeninhalten.

Nutzer können mit einem Porsche-Modell interagieren, indem sie einfach einen QR-Code scannen

 

Auf der Digital Expo 2018 setzte Porsche QR-Codes ein, um Nutzern ein immersives Erlebnis zu bieten. Die Marke gestaltete eine Landingpage, auf der Nutzer die Farbe des Porsche Cayenne Turbo 2019 individuell anpassen und mit dem Modell interagieren konnten.

4. Platz – Convenience

QR-Codes werden oft als „universeller Schlüssel“ bezeichnet, der die Tür zu einer Welt voller Online-Informationen öffnet. Im Vergleich zu physischen Geschäften können virtuelle Shops mit QR-Codes ihren Nutzern auf den Landingpages eine Vielzahl von Informationen bereitstellen und so den Einkaufsprozess erheblich beschleunigen.

Auch der Handelsriese Amazon Go setzt auf diese Technologie. In den Filialen ermöglichen QR-Codes einen automatischen Bezahlvorgang, wodurch Kassenpersonal überflüssig wird. Das spart Personalkosten und bietet den Kunden ein Höchstmaß an Komfort.

 

Amazon Go steigert den Kundenkomfort durch QR-Code-Technologie

QR-Codes stellen weltweit einen bedeutenden technologischen Fortschritt dar. Experten sind überzeugt, dass QR-Codes Unternehmen im Zeitalter nach der Pandemie zu beachtlichem Wachstum verhelfen werden. Durch ihren Einfluss auf den Marketing-Mix können Unternehmen diese Technologie flexibel einsetzen, um Kosten zu senken und das Kundenerlebnis nachhaltig zu verbessern.